Ein Rammbock ist kein Tier, aber nah verwandt mit dem Kater

 

Ich gebe es ja zu. Nach der gestrigen Verlobungsfeier zu der ich geladen war, stürzte ich mich eher in der halb-waagerechten nach Hause, als das ich noch einen geraden Schritt machen konnte. Ich stellte gestern fest, auch ein Hobbit kann verdammt gut mithalten, wenn es darum geht Bree´s stärkstes Getränk zu kippen. Dort, wo eigentlich eine Erinnerung an einen schönen Abend sein sollte, klafft ein schwarzes Loch. Aber immerhin duftet es nach frischen Kräutern, charismatisch für den säuregleichen Schnaps. Ich bin mir auch sicher, irgendwo im Mund war mal meine Zunge und mein Hals fühlte sich nicht immer so an, als hätte ich ein glühendes Brikett zum Gurgeln hergenommen.

Wie auch immer und aller Gedächtnisausfälle zum Trotz, solch ein Tag möchte gebührend gefeiert werden. Ich würde behaupten, das haben wir hinbekommen…zumindest erzählte man mir davon.

Bis auf einen. Der wollte lieber sterben. Ich konnte mich allerdings davon überzeugen, dass er es nicht geschafft hat, wie so viele vor ihm mit gleichen Absichten. Nachdem er einen theaterbühnenreifen Zusammenbruch vor dem Tresen hingelegt hatte und sich nicht mal mehr in der Lage sah, zu sprechen, kam ich ins Grübeln. Zu diesem Zeitpunkt war der dritte Rammbock noch nicht intus und das Denken ging mir noch einigermaßen leicht von der Hand.

Ein kleines Phänomen dieses und auch aller anderen Zusammenbrüche ist, dass sich die Helfer/innen immer gleich anstecken lassen von dem Gejammer, der völligen Ablehnung gegenüber Hilfe und guten Ratschlägen. So sieht man innerhalb kürzester Zeit nicht nur den zu Tode betrübten Betroffenen am Boden, nein, auch mindestens drei Umstehende ziehen ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Und das auf einer Verlobung. Zum Glück ließen sich die meisten Gäste davon nicht beeindrucken und feierten munter weiter, während ich mir mit dem werten Bräutigam die Hirse weich gesoffen habe.

Was ich mich dennoch frage…werte Lebensabschnittsgefährten und –gefährtinnen… wie zum Donner hält man einen besoffenen Kerl neben sich im Bett aus? Nachdem ich meine bessere Hälfte zunächst belagerte, dann als Decke missbrauchte und zwischen Bettpfosten und meiner Wenigkeit halb zu Tode quetschte, das alles verziert mit einem Mundgeruch, der vermutlich die Fenster hat beschlagen lassen, gebührt an dieser Stelle mein höchster Respekt eben jener besseren Hälfte meinerseits, denn immerhin wurde ich nicht umgebracht.

Da ich mir schon denken kann, dass bei vielen sowas wie Selbstironie nicht ankommt und mir unterstellt werden könnte, ich verherrliche hier den Alkoholkonsum, folgt nun der ernste Teil dieser geistig hoch ausgereiften und im Halbtran niedergeschriebenen Zeilen.

Alkohol, meine lieben Mitbewohner dieses stinkenden Fleckchens Stadt, ist ne verdammt böse Sache. Nehmen wir als Beispiel hierfür mal einen notorischen und unverbesserlichen Säufer, den allseits beliebten und sagenumwobenen Lubbo, seines Zeichens Rausschmeißer im Puff, so intelligent wie schimmelndes Brot und auch so ansehnlich, riecht stets ein wenig nach Schweiß, Gorgonzola und Fensterkitt. Wie alle Alkoholiker ist er im Grunde seines Herzens ein recht ehrlicher Kerl, dessen weiche Seite lediglich daher rührt, das man vergessen hat ihn zu Wenden nachdem er vom Wickeltisch fiel. Aber sicherlich ist das kaum seine eigene Schuld. Denn wenn ich sehe, dass sich schwangere Frauen bereits den Fusel hinter die Binde kippen, als sei es Wasser, kann nur ein Lubbo dabei rauskommen. Sicher, er wird schon mit soviel Alkohol im Blut geboren worden sein, dass ein Schnupfen keine Schnitte hatte ihn auch nur anzukratzen. Sämtliche Krankmacher wurden sogleich bei Hautkontakt pulverisiert. Man kann der Sache also einen gewissen gesundheitsfürsorglichen Aspekt seitens der werdenden Mutter abgewinnen, aber nur wenn man nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Denn betrachtet man die Sache so, wie sie ist, entstehen aus Fusel Idioten. Und jeder der meint, die eigene Idiotie wird durch noch mehr Fusel gelindert, der irrt und sieht sich früher oder später mit leichtem Gorgonzoladuft vor oder in einem Puff wieder. Nein, werte Dirnen, ich unterstelle euch keinen zwanghaften Schluckreflex. Zumindest nicht, was Alkohol angeht. Und auch Rausschmeißer muss es geben.

Doch wenn sich die nächste werdende Mutter die Flasche an den Hals setzt, hoffe ich, das Ungeborene verpasst ihr einen Tritt in die Leber, dass sie noch drei Tage Hurra brüllt.

Dies mag ein sehr moralaposteliger Beitrag von mir sein, was mich wenig kratzt, denn ich bin nach wie vor verkatert. Bleibt also die Kernaussage… sauft in Maßen und wenn ihr sowas wie Verantwortung habt, gar nicht. Ich schwöre zumindest, ich sauf nie wieder….Rammböcke.

 

Prost

 

Mathys J. Fraser, Breeländer (das ist kein Getränk)

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