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Bösewichte und ihre verbale Inkontinenz

 

Für gewöhnlich amüsiert es mich, der geistigen Diarrhoe mancher Zeitgenossen zu lauschen, während ich im Gasthaus gemütlich am ranzigen Fass gelehnt mein Getränk genieße. Es ist ein wenig wie durch ein Fenster zu spannen und einer kleinen, aber überraschend asozialen Familie zuzusehen, wie sie versuchen ihren Wortschatz soweit auf die Kette zu bekommen, um sich untereinander anders als durch rudimentäre Grunz- und Schmatzlaute verständlich zu machen.

Hier kann man dann die unterschiedlichen Rollen verfolgen, die ein jeder für sich eingenommen hat. Die Mutter, die recht weichherzig Zuspruch schenkt indem sie zu jeder Gelegenheit ihre achselbewaldeten Arme um ihre Schützlinge legt um sie vom nächsten Suizid abzuhalten. Der Vater, der immerhin schon unzählige Kinder zustande gebracht hat mit unzähligen Frauen, nicht etwa weil er zu blöde ist nachzudenken wo er sein bestes Stück reinhält sondern wenn man ihn befragt, schlicht aus überdimensionierter, ausgesprochen männlichkeitsbeweisender Potenz. Zu viel um sie nur mit einer Ehefrau zu teilen, weswegen er sie gern mal wechselt wie manch einer seine Unterbekleidung. Hier sei aber nicht von seinesgleichen ausgegangen, denn meist trägt er keine, damit es schneller geht. Der Sohnemann, der sehr unter Leistungsdruck leidet, angesichts der großen Aufgabe es seinem Ollen rechtzumachen. Eine nahezu aussichtslose Angelegenheit, die den Jungspund entweder in tiefe Depressionen stürzt oder aber in Selbstüberschätzung. Und zu guter Letzt die Tochter, die stets machen muss was sie nicht will. Heiraten und Kinder bekommen als Beispiel, sich im Haushalt betätigen, schlimmstenfalls sind ihre Eltern helle genug ihr eine Art Lehre zu ermöglichen, was mit entsetztem „Wie können sie es wagen!“ quittiert wird.

Dies sei natürlich nur ein sehr geringer Auszug der buntschillernden Persönlichkeiten, die einem passionierten Fassbesetzer so ins Auge und vor allem ins Ohr fallen.

Doch neuerdings ist Verwandtschaft zu Besuch, die das Gesamtbild der merkwürdigerweise intakten, doch destruktiven Familie beeinträchtigt. Ich nenne sie an dieser Stelle einmal die Stiefkinder der Gesellschaft.

Keiner wollte sie, keiner braucht sie, aber sie lagen nun mal auf der Türschwelle und schrien. Also holte man sie ins Haus und gab ihnen einen Kanten Brot damit sie die Schnauze halten. Diese Stiefkinder haben so ihre Probleme, sich in den Sumpf der Allgemeinheit zu integrieren. Es sind keine Rollen mehr frei, die es auszufüllen gäbe. Aber was sie alle gemein haben, ihr geistiger Horizont reicht aufgrund der Minderversorgung mit Nährstoffen noch aus Zeiten der Türschwellenliegerei überraschend … nein, anders. Um es kurz zu machen: Sie sind strunzdumm. Aber sie lieben das Geräusch der Schleifsteine auf ihren stumpfen Klingen. Und sie betätigen sich gern körperlich, daher der rasche Wechsel der Spielgefährten falls einer außer Atem gerät.

So blieb es nicht aus, dass auch ich den Weg eines Stiefkindes kreuzen musste. Sind die Adoptiveltern als auch Spielgefährten noch in der Lage, einen gewissen Sinn hinter gesprochenen Worten zu erahnen, und sei es nur heruntergebrochen auf die Kernaussage „verpiss dich!“ oder „halt die Fresse!“, kapieren diese armen Geschöpfe so rein gar nichts mehr. Hier ist Hopfen und Malz verloren und man kann sich die Schnauze in Fransen quatschen, alles was bei den Stiefkindern zwischen die Ohren gelangt ist einem konstanten „blabla“ ähnlich. Körpersprache hingegen verstehen sie gut. Und wehe…wehe!!! man wendet sich ihnen zu. Das ist ein Angriff, ganz gleich was man versucht ihnen klarzumachen. Und kaum wurde mir das Dilemma der abgrundtiefen Dummheit bewusst, hörte ich auch schon die liebreizenden Worte:

Wir sehen uns, Abschaum!…

An dieser Stelle muss ich ja gestehen, ich hätte fast applaudiert. Denn dies sind vier zusammenhängende Worte, die ich so nicht erwartet hätte. Grunzen, ja. Brummen, sicherlich. Die Klamotten vom Leib reißen und sich anbiedern, ganz bestimmt sogar, entspricht es doch ihrem Naturell. Aber Worte, an mich gerichtet und mit korrekter Reihenfolge. Ich war den Tränen nahe einen solch derben Sprung der Evolution vor mir zu haben und bezeugen zu können. Ich wollte das arme Geschöpf nicht mit Rückfragen belästigen, denn sicher hatte es für diesen verbalen Erguss seine gesamten Kapazitäten verbraucht und muss nun erst mal drei Wochen regenerieren, was ihm gestattet sei. Ich werde demnach benannte drei Wochen warten, mich wieder an „mein“ Fässchen stellen, mein Getränk genießen und mich freuen auf… Worte… mit einem gewissen Grad Stolz im Blick, wenn ich durchs Fenster blicke und das pausbäckige Stiefkind auf seinem Brot lutschen sehe.

Denn wir sind uns sicher einig, auch wenn keiner weiß, woher sie kommen und ob ihr Schädel irgendwann heiß läuft weil sie zwei Dinge gleichzeitig machen wie Atmen und Laufen… man kann sie doch nur mögen. Ich jedenfalls mag sie, in allen Facetten ihrer grenzenlosen, geistigen Debilität.

 

Ich widme diese Zeilen mit den besten Genesungswünschen nach diesem Kraftakt an rhetorischem Vermögen der liebreizenden Morganea.

 

Mathys J. Fraser, Breeländer und verwaist aber nicht unglücklich

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