Das Volk wählt den Bürgermeister, den es verdient.

Im kommenden Frühjahr wird in Bree der neue Bürgermeister gewählt, und wiederrum scheint niemand die lange, bislang achte Amtsperiode vom König der Bürgermeister, Gustav Zartlärche aufhalten zu können, oder zu wollen. Kaum jemand wagt es, sich gegen das Urgestein, dessen Haarpracht abgenommen hat, während seine Leibesfülle einen beachtlichen Umfang dazugewonnen hatte. Zwerge aus den blauen Bergen haben unlängst ja seinen Stuhl anpassen lassen – wir berichteten.

Aber was wir von der Redaktion nicht verstehen können, ist das warum?  Dieser Mann sitzt den ganzen Tag auf seinem Thron, stopft Schmalzkringel in sich rein und unterzeichnet von der Stadtwache gesponserte Lizenzen für  deren Günstlinge.

Wir haben herausgefunden, dass die Stadtwache von Bree gewisse Vergünstigungen erhält, wie Freibier und leichte Mädchen, wenn sie im Gegenzug Zartlärches Aufträge erfüllen, ohne Fragen zu stellen. Ein einfaches aber, wie wir zugeben müssen, bewährtes und erprobtes Prinzip.

“Klar müssen manchmal für die persönliche Sicherheit der Bürger Brees Abstriche gemacht werden”, so Bürgermeister Zartlärche in einer Befragung unserer Reporter. “Wussten Sie etwa, dass unsere Stadtkriminalität seit meinem Amtsantritt um gut die Hälfte geschrumpft ist, allein nur fürs Wegsehen?”

Die Hobbits zum Beispiel. “Wusstet Ihr, dass gut  ein drittel der hiesigen Bevölkerung aus Hobbits besteht? Viele leben sogar hier in Bree. Wir spenden ihnen eine beträchtliche Summe, nur dass sich einige Abend ür Abend vors Pony stellen, Musik spielen und niedlich sind.”

Mit proagandistisch virtuos inszenierter Fröhlichkeit gaukeln uns die Hügelzwerge die Heile kleine Welt vor, und viele springen darauf sogar an. Indem man dem Volk diese Illusion vorspielt, kann es ja auch gar keine Kriminalität geben. Die Wache sieht nicht hin und wenn irgendwann eine junge Maid verschwindet und nicht wieder aufkreuzt ist sie eben “weggezogen”. In Schragen interessiert’s ja dann auch keinen mehr.

Eine beeindruckende Taktik des Diktators auf Lebenszeit. Mögen seine wenigen Taten in der Geschichtsschreibung  auch in Vergessenheit geraten: Eins ist klar. Wir werden den Mann noch sehr lange an der Spitze des mächtigen gut geölten Regierungsapparates sehen.

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